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N.N.

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Pakistan

Langfristige Hilfe

für die Flutopfer

Pakistan

N.N. 15.01.2012, 06.58 Uhr

Fluten im Sindh

Pakistan erholte sich noch immer von den Fluten im Jahre 2010 als starke Regenfälle im Sommer 2011 weite Gebiete in der Provinz Sindh überfluteten. Über 9 Millionen Menschen waren betroffen, mehr als 1.5 Millionen Menschen verloren ihre Häuser in den Fluten. Noch immer sind Dörfer überschwemmt und 72.447 Menschen leben seit Monaten in Hilfslagern. Sindh ist durch wertvolle Anbauprodukte wie Baumwolle und Zuckerrohr geprägt. Der Großteil des Baumwollgürtels ist in den Fluten ertrunken, Ernten wurden zerstört. Die Schäden des Wassers sind weitreichend und wirken sich auf die ökonomische Situation der Menschen sowie deren Lebenssituation aus gesundheitlicher Sicht stark aus.  Flutopfer in Sindh

Unmittelbar nach der Flut lieferte die Welthungerhilfe 10.000 Zeltplanen und 5.000 Hygienepakete mit Eimern, Seife, Moskitonetzen und Kochgeschirr. Die Verteilung in den betroffenen Distrikten übernahmen die europäischen Alliance-2015-Partner der Welthungerhilfe, die über kompetente lokale Mitarbeiter in den Dörfern verfügen.

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Um die Schäden der Fluten selbst zu evaluieren, schickte die Welthungerhilfe kurz vor Weihnachten ein vierköpfiges Feldteam in den Sindh. Drei Monate nach der Flut fanden wir erschreckende Lebensbedingungen in einer Region vor, die bereits vor der Flut mit Armut, eingeschränktem Zugang zu Trinkwasser und feudal geprägten Besitzverhältnissen zu kämpfen hatte. Hinzu kommen die Auswirkungen der Fluten. Straßen sind noch immer überflutet, die den Zugang zu Märkten erschweren und auch unseren Einsatz erschweren. Wir fanden einen hohen multi-sektoralen Bedarf im Häuserbau, WASH (Wasser, sanitäre Einrichtungen und Hygiene) sowie Einkommens-Generierenden Maßnahmen wie der Verteilung von Vieh, der Einrichtung von Gemüsegärten oder der Einbindung von Frauen im lokalen Handwerk.

Basierend auf den Ergebnissen der Bestandsaufnahmen plant die Welthungerhilfe mit eigenen Strukturen vor Ort Projekte zu implementieren. Mein Team und ich sind ungeduldig. Wir wollen so schnell wie möglich humanitäre Hilfe leisten und die Menschen aus dem Sog der Armut befreien. Projektvorbereitungen laufen bereits.

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An Heiligabend fliege ich von Sindh zurück nach Multan, Pakistan, wo ich seit Februar letzten Jahres lebe. Ich denke an all die glücklichen Kinder in meiner Heimat, die an Weihachten ihre Geschenke bestaunen. Sie ahnen nichts von der Armut dieser Welt. Ich hingegen verbringe ein nachdenkliches Weihnachtsfest in Pakistan.

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N.N. 12.12.2011, 11.05 Uhr

Besuch einer Ziegelei im Rahmen der Projektaktivitäten

Die Projektvorbereitungen laufen gut an. Ein Projekt, das von der European Commission Humanitarian Aid &Civil Protection“ (ECHO) finanziert und im Südpunjab implementiert wird, baut insgesamt 350 Häuser und 300 Latrinen, rehabilitiert 200 Handpumpen und errichtet insgesamt 400 Küchengärten gemeinsam mit den Projektbegünstigten. Zusätzlich werden Hygienekampagnen durchgeführt. Wir sind mit unserem Team in die Region Muzaffargarh ausgeschweift um die von der Flut letzten Jahres am stärksten betroffensten Dörfer zu finden. Insgesamt wurden drei Union Councils (UCs) ausgewählt, da hier die Not der Menschen nach über einem Jahr noch immer am größten ist. Viele Menschen schlafen in Zelten, die Ernährungssituation ist kritisch und gerade Kinder leiden unter Unterernährung. Speziell im Bereich der Hygiene gibt es viele Lücken zu schließen.

Ziegelei bei Kot Addu

Momentan ist das Feldteam stark eingespannt, Dörfer auszuwählen, die unseren Vulnerabilitätskriterien entsprechen. Einige Dörfer wurden bereits ausgesucht und in der Anfangsphase werden Committees gegründet, die gemeinsam mit den Dorfbewohnern besonders Hilfsbedürftige aus dem jeweiligen Dorf auswählen. So kann sichergestellt werden, dass das Geld wirklich dort ankommt, wo es am dringendsten benötigt wird. Und zwar bei denen, die nicht über eigene finanzielle Mittel verfügen. Da die Welthungerhilfe im Südpunjab stark in der Konstruktion tätig ist, ist der Bedarf für gebrannte Steine zum Bau von Häusern und Latrinen sehr hoch. Warum ausgerechnete gebrannte Steine? Nicht gebrannte Steine, die aus Lehm bestehen, lösen sich bei Kontakt mit Wasser vollkommen in Schlamm auf. Genau das ist auch nach der Flut im Sommer 2010 passiert. Die Häuser haben sich in nichts aufgelöst. Der Gebrauch von gebrannten Ziegeln lässt sich bis auf 3000 Jahre zurückverfolgen. In Pakistan werden Ziegelsteine bevorzugt zum Häuserbau eingesetzt. Ziegeleien in Pakistan beschäftigen eine große Anzahl von Arbeitskräften, da die Produktion sehr arbeitsintensiv ist. Material für die Herstellung ist einfach zu beschaffen und die Methode simpel. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte ein britischer Ingenieur, W. Bull, das Verfahren zum Brennen von Ziegeln, das als Bull’s trench kiln (BTK) Verfahren in Pakistan Berühmtheit fand.

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Da der Welthungerhilfe die Einhaltung von sozialen Standards ein großes Anliegen ist, haben wir nach Beratung mit der International Labor Organisation (ILO) in Islamabad ein Training für lokale Mitarbeiter der Welthungerhilfe im Feld angeboten. Sie haben dort gelernt Ziegeleien hinsichtlich der Einhaltung sozialer Standards einzustufen. Anschließend wurden Assessments durchgeführt und etwa 40 Ziegeleinen in der Projektregion besucht.

In einigen Ziegeleien werden soziale Standards nur begrenzt eingehalten und es herrschen Abhängigkeiten zwischen Arbeitgeber und –nehmer vor. Oft werden Kredite gezahlt, die zu Konditionen vergeben werden, die niemals zu Lebzeiten zurückzahlbar sind. Da Kredite nach dem Tod des Arbeiters an seine Familie übergeben werden, ist so die ganze Familie generationsübergreifend involviert und Kinderarbeit wird gefördert.

Die Ziegel werden verladen

Unser Assessment hat ergeben, dass es durchaus Ziegeleien gibt, die sozialverträglich arbeiten und sich um das Wohl ihrer Beschäftigten sorgen. Bei einem Besuch einer Ziegelei in der Nähe von Kot Addu konnten wir uns persönlich ein Bild machen. Es hat sich gelohnt nach den richtigen Zigeleien zu suchen, die unserem Qualitätsmanagement entsprechen.

Dem Häuserbau mit Steinen, die unter sozialverträglichen Bedingungen entstanden sind, steht demnach nichts mehr im Wege -die Bestellung kann erfolgen!

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N.N. 16.09.2011, 12.32 Uhr

Im Kampf gegen die Armut

Seitdem ich meine Arbeit in Pakistan Anfang dieses Jahres aufgenommen habe, bin ich oft mit Armut konfrontiert worden. Die Menschen in der Projektregion der Welthungerhilfe in Pakistan leben unter schwierigen Bedingungen. Viele von ihnen haben während der Flut im August 2010 ihr ganzes Hab- und Gut verloren. Damals waren über 20 Mio Menschen von der Flut in Pakistan betroffen. Etwa 1 Millionen sind obdachlos geworden. Seit der Katastrophe ist die Welthungerhilfe in Pakistan wieder aktiv geworden.

Muzaffargarh, eine der Projektregionen der Welthungerhilfe im Südpunjab ist einer der von der Flut am stärksten betroffenen Distrikte in Pakistan. Derzeit laufen verschiedene Projekte im Süden Punjabs an. Ein Projektbüro in Multan koordiniert die Projekte und Feldaktivitäten.

Ob wir erfolgreich gegen Armut kämpfen werde ich oft gefragt? Bringt denn deine Arbeit in Pakistan überhaupt was? Was macht ihr eigentlich so? Fragen über Fragen…

Ja, ganz klar, die Welthungerhilfe kämpft gegen Armut. Armut ist allerdings schwer zu greifen. Und wo fängt Armut überhaupt an und wo auf?

In einem bereits erfolgreich abgeschlossenen Projekt haben wir 800 Häuser für und mit Projektbegünstigten gebaut, die besonders stark von der Flut betroffen waren. Wir bezeichnen diese Projektbegünstigten als vulnerabel. Sie hatten in den Fluten alles verloren. Sie standen vor dem Nichts. Oft gerade ausgestattet mit einer Plane, die einer der vielen NGO zu der damaligen Zeit verteilt haben, blickten Menschen in eine ungewisse Zukunft. Ihre Ernte auf den Feldern war gerade ertrunken und das einzige, was ihnen blieb, ist ihre eigene Arbeitskraft. Ein Haus bietet Schutz. Man kann Eigentum einschließen und man kann sich einrichten und „zu Hause“ fühlen. Auf dem Weg zurück zur Normalität macht ein Haus einen erheblichen Fortschritt und die Wunden, die die Flut letzten Jahres aufgerissen hat, verheilen langsam. Ernte wurde eingefahren, das dank der Verteilungen von Saatgut durch die Welthungerhilfe prächtig gedeihen konnte. landliche-idylle

Ein Teil der Ernte kann verkauft werden, ein Teil bleibt für den Eigenkonsum übrig. Das Geld kann für den Schulbesuch der Kinder verwendet werden oder aber um Feuerholz und Lebensmittel zu kaufen. Es gibt immer Möglichkeiten in diesem Teil der Erde Geld auszugeben. Ersparnisse können kaum angespart werden. Ein Großteil des Verdiensts wird in vielen Ländern Asiens für Lebensmittel ausgegeben. Überproportional hoch ist dieser Prozentsatz. In Europa werden rund 13% des Einkommens für Lebensmittel ausgegeben, in Pakistan sind es bis zu 70%! Um die Ausgaben zu minimieren, planen wir ein Projekt, das den Bau von Gemüsegärten fördert. Wir wollen 400 Frauen eine enge Beratung anbieten und ihnen zeigen wie erfolgreich Gemüse angebaut werden kann. Die „European Commission Humanitarian Aid &Civil Protection“ (ECHO) fördert das Projekt, bei dem unter anderem Häuser, Latrinen und Handpumpen gebaut werden. Auch Eigenmittel werden für dieses Projekt eingesetzt. Hier erfahrt hier alles über den Fortschritt des Projektes und wie den Menschen in diesem Projekt geholfen werden kann, ihre Armut zu überwinden. Es ist noch ein langer Weg zu gehen, aber wir kämpfen weiter!

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N.N. 28.07.2011, 12.34 Uhr

Projektbesuch “Rehabilitierung landwirtschaftlicher Infrastruktur”

Ein Projekt, das die Welthungerhilfe gemeinsam mit seinem Projektpartner CABI implementiert, fördert einhergehend mit der Rehabilitierung von landwirtschaftlicher Infrastruktur den Aufbau von Fischfarmen.

Im Zuge der Flut sind die seitlichen Begrenzungen der Fischbecken teils völlig weggespült worden und die Becken mit Schlamm und Sand aufgefüllt.

Fischfarmer

In einem Dorf im UC Alurid möchte ich mir gemeinsam mit CABI ein eigenes Bild der Katastrophe verschaffen. Wir sind erstaunt. Am gestrigen Tag ist erst das sogenannte „Memorandum of Understanding“, die Vertragsbasis zwischen der Organisation CABI und den betroffenen Menschen, unterzeichnet worden. Bereits am nächsten Tag haben die Arbeiten begonnen. Ein Bagger schaufelt Sedimente aus dem Becken heraus, wobei es sich um ein zeitlich sehr aufwendiges Verfahren handelt. Ungefähr eine Woche wird es dauern, bis die Tiefe des 0,01 ha großen Beckens tief genug ist um Fische darin züchten zu können.

Der Rohrbrunnen wird in Gang gebracht
Die Welthungerhilfe unterstützt gemeinsam mit ihrer Partnerorganisation vor allem die Ärmsten der Armen und hat deshalb die Bauern ausgewählt, die in starkem Ausmaß von der Flut betroffen worden sind.
Wir reden persönlich mit einem Fischbauern, der von dem Wideraufbau profitiert. Seine Familie hat in den Fluten all ihr Hab und Gut verloren. Im Gegensatz zu vielen anderen blieben aber Teile seines Hauses stehen. Die Ernte ist jedoch völlig zerstört worden; ebenso der Fischteich, der die Lebensgrundlage der Familie bildete. Solche Ausführungen sind sehr bewegend, da exakte Abläufe der Fluten von letztem Jahre berichtet werden. Die Geschichten sind teilweise unglaublich und bewegend. Kühe wurden auf Traktoren in die nächstgelegene Stadt transportiert. Frauen sind zum ersten Mal alleine in ihrem Leben gereist und haben ihre Männer in den Dörfern zurückgelassen. Niemand wusste, wie die nahe Zukunft aussehen würde. Niemand wusste, in welchem Ausmaß das jeweilige Dorf von der Katastrophe betroffen sein wird.

Jungen
Aber zurück zu dem Fischbauern. Wir fragen ihn, wie er die Flut im letzten Jahr erlebt hat. Er berichtet, dass es für ihn am Schwierigsten war, alles zurückzulassen, was er besitzt. Die Ungewissheit nicht zu wissen wie er sein Haus und Land antreffen würde, muss unheimlich schwierig gewesen sein. Als die Familie nach über einem Monat zurück in ihr Dorf gefahren ist, haben sie ihre Felder völlig zerstört vorgefunden. Ich versuche nachzuempfinden, was die Familie durchgemacht hat, doch war selber in noch keiner vergleichbaren Situation.

Kinder erfreuen sich am kühlen Nass
Nach einem Jahr haben die Dorfbewohner ihre Existenz fast vollständig wieder aufgebaut. Dafür mussten Ersparnisse angezapft werden. Die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen konnte ebenso einen positiven Beitrag leisten. Doch längst konnte nicht allen geholfen werden und bei jedem Feldaufenthalt werden wir erneut um Hilfe gebeten. Es ist für mich sehr schwierig zu akzeptieren, dass die Welthungerhilfe nicht allen betroffenen Menschen gleichzeitig helfen kann.

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N.N. 10.06.2011, 11.10 Uhr

Projektbesuch „Wiederherstellung landwirtschaftlicher Produktion“

Die Rehabilitierung von Bewässerungskanälen sowie von Rohrbrunnen ist so gut wie abgeschlossen. Ziel des Projektes ist die Wiederherstellung landwirtschaftlicher Produktion in flutgeschädigten Gemeinden im Distrikt Muzaffargarh. Um die Erfolge des Projektes zu bestaunen, fahre ich gemeinsam mit dem Landesdirektor der Welthungerhilfe in Pakistan Achim Apweiler und Projektleiter Daniel in die Projektregion. Zunächst statten wir unserem Partner Centre for Agricultural Bioscience International (CABI) einen Besuch ab (vergleiche auch Blog-Eintrag vom 04.03.2011).

Rehabilitierter Bewässerungskanal

Nach einer ausführlichen Beschreibung über den aktuellen Stand des Projektes durch Dr. Kauser Khan, dem Projektmanager von CABI und seinem Team, werden wir in ein neues Projekt eingeführt, das vom UK Department for International Development (DFID) sowie aus Eigenmitteln der Welthungerhilfe mit Hilfe von Spendeneinnahmen finanziert wird. Neben der Rehabilitierung von landwirtschaftlicher Infrastruktur wie Bewässerungskanälen und Rohrbrunnen wird auch ein Beitrag zur Ernährungssicherung geleistet. Durch die Rehabilitierung von Fischfarmen wird die Fischproduktion reaktiviert, da im Zuge der Fluten letzten Jahres zahlreiche Fischfarmen zerstört und Fischbestände weggespült worden sind.

Insgesamt profitieren mehr als 2500 Menschen von den Projektaktivitäten im Distrikt Muzaffargarh.

Der Unterschied zwischen alt und neu ist mehr als deutlich erkennbar

Doch nun genug von der Theorie. Wir wollen die Projekterfolge, die Dank der enormen Leistungen von Dr. Kauser sowie seinem Team Realität wurden, bestaunen. Gemeinsam mit CABI fahren wir in die Projektregion hinaus und sind begeistert, als wir Wasser in den Bewässerungskanälen fließen sehen. Noch vor wenigen Wochen waren diese vollständig beschädigt. Da im Süden Punjabs sehr geringe Niederschläge zu verzeichnen sind, ist die Bewässerung der Felder Grundlage der Landwirtschaft. Diese Grundlage wurde den Bauern zurückgegeben und wir erleben Menschen, die der Welthungerhilfe für ihren Einsatz sehr dankbar sind. Das Projekt ist ein Erfolg!

CABI und Welthungerhilfe- Eine gute Partnerschaft

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