Fluten im Sindh
Pakistan erholte sich noch immer von den Fluten im Jahre 2010 als starke Regenfälle im Sommer 2011 weite Gebiete in der Provinz Sindh überfluteten. Über 9 Millionen Menschen waren betroffen, mehr als 1.5 Millionen Menschen verloren ihre Häuser in den Fluten. Noch immer sind Dörfer überschwemmt und 72.447 Menschen leben seit Monaten in Hilfslagern. Sindh ist durch wertvolle Anbauprodukte wie Baumwolle und Zuckerrohr geprägt. Der Großteil des Baumwollgürtels ist in den Fluten ertrunken, Ernten wurden zerstört. Die Schäden des Wassers sind weitreichend und wirken sich auf die ökonomische Situation der Menschen sowie deren Lebenssituation aus gesundheitlicher Sicht stark aus.
Unmittelbar nach der Flut lieferte die Welthungerhilfe 10.000 Zeltplanen und 5.000 Hygienepakete mit Eimern, Seife, Moskitonetzen und Kochgeschirr. Die Verteilung in den betroffenen Distrikten übernahmen die europäischen Alliance-2015-Partner der Welthungerhilfe, die über kompetente lokale Mitarbeiter in den Dörfern verfügen.
Um die Schäden der Fluten selbst zu evaluieren, schickte die Welthungerhilfe kurz vor Weihnachten ein vierköpfiges Feldteam in den Sindh. Drei Monate nach der Flut fanden wir erschreckende Lebensbedingungen in einer Region vor, die bereits vor der Flut mit Armut, eingeschränktem Zugang zu Trinkwasser und feudal geprägten Besitzverhältnissen zu kämpfen hatte. Hinzu kommen die Auswirkungen der Fluten. Straßen sind noch immer überflutet, die den Zugang zu Märkten erschweren und auch unseren Einsatz erschweren. Wir fanden einen hohen multi-sektoralen Bedarf im Häuserbau, WASH (Wasser, sanitäre Einrichtungen und Hygiene) sowie Einkommens-Generierenden Maßnahmen wie der Verteilung von Vieh, der Einrichtung von Gemüsegärten oder der Einbindung von Frauen im lokalen Handwerk.
Basierend auf den Ergebnissen der Bestandsaufnahmen plant die Welthungerhilfe mit eigenen Strukturen vor Ort Projekte zu implementieren. Mein Team und ich sind ungeduldig. Wir wollen so schnell wie möglich humanitäre Hilfe leisten und die Menschen aus dem Sog der Armut befreien. Projektvorbereitungen laufen bereits.
An Heiligabend fliege ich von Sindh zurück nach Multan, Pakistan, wo ich seit Februar letzten Jahres lebe. Ich denke an all die glücklichen Kinder in meiner Heimat, die an Weihachten ihre Geschenke bestaunen. Sie ahnen nichts von der Armut dieser Welt. Ich hingegen verbringe ein nachdenkliches Weihnachtsfest in Pakistan.
